Internationale Erklärung zur ILO-Konferenz
Internationale Erklärung der Bewegungen arbeitender Kinder und Jugendlicher zur ILO-Konferenz 2026
Im Vorfeld der Sechsten ILO-Weltkonferenz zur Beseitigung der Kinderarbeit 2026 in Marokko erheben arbeitende Kinder und Jugendliche aus Lateinamerika, Afrika und Asien gemeinsam ihre Stimme. Sie fordern die Achtung ihrer Würde sowie ihrer Rechte auf Bildung, ganzheitliche Entwicklung, menschenwürdige Arbeit und Schutz. Als organisierte Bewegungen haben sie ihre unterschiedlichen Lebensrealitäten, Probleme und Hoffnungen zusammengetragen. In einer gemeinsamen internationalen Erklärung von der Lateinamerikanischen und Karibischen Bewegung der Arbeitenden Kinder und Jugendlichen (MOLACNNATs), der Afrikanischen Bewegung der Arbeitenden Kinder und Jugendlichen (AMWCY / MAEJT) und Children: Ambassadors for Change aus Asien fordern sie die Stärkung der Rechte arbeitender Kinder und Jugendlicher weltweit. Die Erklärung, die wir in Wortlaut wiedergeben, richtet sich an internationale Organisationen, Regierungen und staatliche Stellen, die Verantwortung für Gesetzgebung und öffentliche Politik tragen.
INTERNATIONALE ERKLÄRUNG DER ORGANISIERTEN BEWEGUNGEN DER ARBEITENDEN KINDER UND JUGENDLICHEN DER WELT IM RAHMEN DER SECHSTEN WELTKONFERENZ ZUR BESEITIGUNG DER KINDERARBEIT 2026
Im Rahmen der Sechsten Weltkonferenz zur Beseitigung der Kinderarbeit, die vom 11. bis 13. Februar 2026 in Marokko stattfindet,
erheben wir, die arbeitenden Kinder und Jugendlichen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens, unsere Stimme, um unsere Würde zu verteidigen und die uneingeschränkte Achtung unserer Rechte auf Bildung, umfassende Entwicklung, menschenwürdige Arbeit und Schutz einzufordern.
Als Vertreter*innen unserer Bewegungen – MOLACNATS (Lateinamerika), AMWCY/MAEJT (Afrika) und Children: Ambassadors for Change (Asien) – haben wir unsere Realitäten, Probleme und Bestrebungen eingehend diskutiert und legen diese gemeinsame Erklärung vor, deren Ziel es ist, die Rechte der arbeitenden Kinder und Jugendlichen weltweit hervorzuheben und zu bekräftigen.
Diese Erklärung richtet sich an internationale Organisationen, die Einfluss auf die Gestaltung und Umsetzung öffentlicher Politik nehmen, an nationale Regierungen und an alle Behörden, die für die Gesetzgebung und die Gewährleistung unserer Rechte zuständig sind.
- Wir, als internationale Bewegungen von arbeitenden Kindern und Jugendlichen, fordern, dass alle Übereinkommen, Gesetze, Richtlinien und Programme, die darauf abzielen, die Rechte arbeitender Kinder und Jugendlicher zu gewährleisten, einfühlsam, inklusiv und sensibel für unsere unterschiedlichen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Realitäten sind.
- Wir fordern, dass Kampagnen wie die „Rote Karte”, die anlässlich der VI. Weltkonferenz über Kinderarbeit ins Leben gerufen wurde (https://www.ilo.org/topics-and-sectors/child-labour/red-card-child-labour), überarbeitet werden, da sie größtenteils symbolisch und rein dekorativ sind. Diese Kampagnen und andere Initiativen müssen neu formuliert werden, um unser tatsächliches Leben als arbeitende Kinder und Jugendliche widerzuspiegeln, und sie dürfen die Gründe, warum wir arbeiten, nicht mehr übermäßig vereinfachen. Sie dürfen unsere Stimmen und Erfahrungen nicht länger ignorieren und müssen die sozialen und wirtschaftlichen Realitäten unserer Familien widerspiegeln. Diese Kampagnen zeigen keine realistischen, auf Rechten basierenden Lösungen oder sichere Alternativen für uns auf und schaffen somit zwar Sichtbarkeit, ohne jedoch eine echte oder dauerhafte Veränderung in unserem Leben zu bewirken.
- Wir haben das Recht, gehört zu werden und uns aktiv an allen Angelegenheiten zu beteiligen, die unser Leben betreffen. Heute sind wir, wie alle Mädchen und Jungen, Bürger*innen mit eigener Stimme und eigenen Meinungen. Dies wird in der Internationalen Konvention über die Rechte des Kindes anerkannt.
- Wir vertreten die Stimmen von Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren aus ländlichen und städtischen Gebieten, die arbeiten oder sichere und ungefährliche Arbeitsmöglichkeiten anstreben, die sich relevante Bildungsalternativen wünschen, die ihnen Unterstützung bieten, sowie Lern- und Verdienstmöglichkeiten und andere Chancen für ihre ganzheitliche Entwicklung, anstelle von oder zusätzlich zu einer sicheren Arbeit. Dort, wo staatliche Systeme versagt haben, war Arbeit für viele von uns eine Möglichkeit, in Würde zu leben, unsere Familien zu versorgen und unsere Lebensprojekte, einschließlich der Bildung, fortzusetzen.
- Wir lehnen jede Form der Ausbeutung, einschließlich gefährlicher Arbeit, Menschenhandel, Leibeigenschaft und jeglicher Form von Missbrauch, entschieden ab. Gleichzeitig verteidigen wir den Wert einer würdigen, sicheren und geschützten Arbeit.
- Wir weisen nachdrücklich auf die Mängel bei den Abhilfemaßnahmen und beim Zugang zur Justiz für Kinder und Jugendliche weltweit hin, die Opfer von wirtschaftlicher Ausbeutung geworden sind und aufgrund von Vernachlässigung und fehlenden Alternativen zur Arbeit gezwungen wurden. Wir kritisieren auch die geringe Vertretung und die mangelnde Sichtbarkeit und Mitsprache von arbeitenden Kindern und Jugendlichen in politischen Entscheidungsprozessen, wie beispielsweise bei der aktuellen Ausarbeitung der Allgemeinen Bemerkung Nr. 27 des Ausschusses der Vereinten Nationen für die Rechte des Kindes zum Zugang zur Justiz und zu Rechtsmitteln.
- Wir fordern, dass die globale und nationale Politik echte Optionen für menschenwürdige Arbeit, flexible Bildungsmöglichkeiten, kompetenzbasierte Ausbildung und Programme zur Kompetenzentwicklung vorsieht, die es uns ermöglichen, zu lernen, Geld zu verdienen und uns weiterzuentwickeln.
- Wir verurteilen alle Kriege, Invasionen und Aggressionen in der Welt, die weiterhin unsere Länder verletzen und überfallen.
- Wir lehnen kapitalistische Wirtschaftspolitiken ab, die durch Privatisierung und Kürzungen der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit, Bildung und Kinder- und Jugendentwicklung die Armut vertiefen und die Ausbeutung von arbeitenden Kindern aufrechterhalten.
- Wir fordern die Einrichtung solider institutioneller Mechanismen zum Schutz von arbeitenden Kindern auf nationaler und internationaler Ebene. Diese Mechanismen müssen klare Informationen über ihre Ziele, ihre Befugnisse und die Art und Weise, wie sie die Rechte arbeitender Kinder behandeln und schützen, verbreiten.
- Wir fordern, dass arbeitenden Kindern die Möglichkeit gegeben wird, ihre Kindheit angemessen und sinnvoll zu erleben und zu genießen.
- Wir fordern wirksame Maßnahmen, um zu verhindern, dass arbeitende Kinder von schädlichen und suchterzeugenden Substanzen angezogen werden. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass sie Zugang zu sicheren Arbeitsbedingungen und einem menschenwürdigen Leben haben.
- Informationen zur Online-Sicherheit müssen für arbeitende Kinder zugänglich sein. Es muss auch sichergestellt werden, dass sie faire Löhne für ihre Arbeit erhalten und dass die Arbeitszeiten und -bedingungen fair geregelt sind.
Wir bekräftigen unsere uneingeschränkte Bereitschaft, einen offenen, partizipativen und respektvollen Dialog zum Wohle aller Kinder zu führen, nicht nur derjenigen, für die wir uns für menschenwürdige Arbeit einsetzen, sondern aller Kinder und Jugendlichen weltweit.
10. Februar 2026
Lateinamerikanische und karibische Bewegung der arbeitenden Kinder und Jugendlichen (MOLACNNATs)
Afrikanische Bewegung der arbeitenden Kinder und Jugendlichen (AMWCY / MAEJT)
Children: Ambassadors for Change – Asien
Links
Zu der Erklärung auf Spanisch, Französisch und Englisch
To the statement in Spanish, French, and English
A la declaración en español, francés e inglés
Vers la déclaration en espagnol, français et anglais
A Further public statement comes from working children’s representatives, including 5 movements of working children, 17 NGOs and 10 researchers dedicated to support working children. It addresses the organisers of the upcoming VI Global Conference on Child Labour, particularly the Government of Morocco and the ILO.
This statement has been posted on the Dialogue Works website in English: https://dialogue-works.com/joint-statement-for-the-vi-global-conference-on-child-labour-morocco-11-13-february-2026/
And in Spanish: https://dialogue-works.com/es/declaracion-conjunta-para-la-vi-conferencia-mundial-sobre-el-trabajo-infantil-marruecos-11-13-de-febrero-de-2026/
Aktualisiert: 10.02.2026


